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Nachhaltigkeit: Eine zukünftige Herausforderung für den Logistikmarkt (1/5)
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Das zunehmende Nachhaltigkeitsbewusstsein der Gesellschaft ist in den letzten Jahren zu einem zentralen Aspekt der Wirtschaft geworden. Dieser Bedeutungszuwachs wird nicht nur in öffentlichen Diskussionen, sondern auch in der gezielten strategischen Positionierung der Unternehmen hinsichtlich nachhaltigen Handelns deutlich. Vor allem die Bereiche Transport und Logistik sind, unter anderem aufgrund wachsender Sensibilisierung der Bevölkerung bezüglich des Klimawandels sowie der Volatilität der Energiepreise, vermehrt mit dieser Thematik konfrontiert. Da dieses Phänomen generelle Aktualität besitzt und länderübergreifend eine stetig zunehmende Beachtung erfährt, 360 wird im Folgenden in erster Linie Bezug auf allgemeingültige Aspekte genommen, welche dann an gegebener Stelle im Hinblick auf die konkreten Sachverhalte in der Schweiz präzisiert werden.
Viele Projekte, Initiativen und Studien greifen das Thema Nachhaltigkeit auf. Das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) definiert im Bericht «Strategie Nachhaltige Entwicklung 2008-2011» an den Bundesrat wie folgt: «Eine Entwicklung ist nachhaltig, wenn sie die Ziele der ökologischen Verantwortung, der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und der gesellschaftlichen Solidarität in Einklang bringt.» 361 Ebenso widmet sich das vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderte Projekt zum Thema «Sustainable Freight Transport on the Local Level» 362 unter Leitung von Professor Dr. Ulrich Weidmann vom Institut für Verkehrsplanung (ETH Zürich) der Operationalisierung von Nachhaltigkeitskonzepten in der Logistik. Die Untersuchung, die in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Logistikmanagement der Universität St.Gallen durchgeführt wird, nimmt als Voraussetzung für eine systematische Herangehensweise eine Differenzierung der Nachhaltigkeit im Logistikbereich in verschiedenen Dimensionen vor. Demnach kann der Begriff folgendermassen präzisiert werden:
- Ökonomische Nachhaltigkeit: Ökonomisch nachhaltige Unternehmen stellen ihre Wettbewerbsfähigkeit durch eine langfristig ausgerichtete strategische Planung sicher, die prinzipiell unabhängig ist von ökologischen und sozialen Gesichtspunkten. Als Messkriterium kann beispielsweise der dauerhafte Unternehmenserfolg oder der langfristige Shareholder Value herangezogen werden.
- Ökologische Nachhaltigkeit: Ökologisch nachhaltige Unternehmen definieren sich über einen effizienten Ressourcenverbrauch, der aus ressourcenschonenden Wertschöpfungsprozessen resultiert. Als ökologisches Effizienzmass gilt beispielsweise der CO2-Ausstoss.
- Soziale Nachhaltigkeit: Sozial nachhaltige Unternehmen praktizieren eine auf die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtete Geschäftspolitik. Das kann sich beispielsweise für die Mitarbeitenden in hohen Investitionen für die Qualifizierung und attraktiven Arbeitsbedingungen äussern. Ein Massstab für den Grad der sozialen Nachhaltigkeit ist in erster Linie die Zufriedenheit der Mitarbeitenden, Kunden und Lieferanten.
Anhand dieser Dimensionen können Nachhaltigkeitskonzepte praktisch umgesetzt und angewandt werden. Bei der Operationalisierung entstehen jedoch oftmals Probleme, bedingt durch die oft konkurrierenden Zielbeziehungen zwischen den Dimensionen. Denn die drei Nachhaltigkeitsziele weisen häufig Verflechtungen und Wechselwirkungen untereinander auf. Dies wird am Beispiel freiwilliger Leistungen für Mitarbeitenden deutlich. Diese und ähnliche Initiativen gehen in der Regel zulasten der kurzfristigen ökonomischen Unternehmensziele, sorgen jedoch für eine Verbesserung der sozialen Dimensionen.
Die höchste Priorität von Unternehmen liegt in der Praxis häufig auf der ökonomischen Dimension. Damit stellen sie ihre wirtschaftliche «Überlebensfähigkeit» im zunehmend globalen Wettbewerb durch gezielte langfristige Orientierung an einem ausreichenden Cashflow sowie beständigen Renditen für die Gesellschafter sicher. Eine ausgewogene Berücksichtigung aller Ziele weicht daher häufig aufgrund geringer Anreize und der beschriebenen Zielkonkurrenz einer vorwiegend ökonomischen Betrachtung. Die sozialen und ökologischen Ziele werden in diesem Fall der ökonomischen Effizienzsteigerung untergeordnet. Um neben den ökonomischen auch den ökologischen und sozialen Aspekten eine ausreichende Bedeutung zukommen zu lassen, ist es daher notwendig, letztere klar zu formulieren und in einem weiteren Schritt auch die gegebenenfalls auftretenden Zielkonflikte zu identifizieren, zu verstehen und geeignete Lösungen im Sinne einer ausgewogenen Nachhaltigkeitsstrategie zu erarbeiten. Dabei ergeben sich je nach Blickwinkel unterschiedliche Nachhaltigkeitsziele für die einzelnen Marktteilnehmer.
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Vgl. Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (2008a), S. 526. |
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Siehe www.uvek.admin.ch, 21.04.2008. |
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Für weiterführende Informationen vgl. www.ivt.ethz.ch. |
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