Publicité
 

Kollektive Innovation bringt Erfolg

Ein Beispiel für den Erfolg dieser Strategie ist die EDI-Umsetzungsinitiative von GS1 Schweiz. Nach langem Stillstand konnte innert weniger Jahre die EDI-Umsetzung vervielfacht werden (Abbildung 2).

GS1 Schweiz EDUI-Monitoring 4. Quartal 2009

Alle Detailhändler haben sich freiwillig zu einer einheitlichen Vorgehensweise und Verfahrenstreue verpflichtet. Dies brachte den Lieferanten die Sicherheit, dass nicht für jeden Handelspartner eine eigene Lösung unterstützt werden musste. Für die EDI-Dienstleister bedeutet dies, dass kostengünstige, attraktive Angebote die Nachfrage stimulieren und dass ein interessanter, vergleichbarer Markt entsteht. Es wurden nur wenige, aber wichtige Grundsätze definiert:

  • Der paritätisch besetzte GS1 Fachbeirat «eBusiness» ist der Schirmherr über EDI.
  • Jede EDI-Message wird idealisiert (informationsgenaue Harmonisierung).
  • Änderungen sind nur durch Antrag und Mehrheitsentscheid bzw. Konsens zu erreichen.
  • Jede Firma hat die freie Wahl des Dienstleisters.
  • Die Dienstleister verpflichten sich, die GS1 Standards einzuhalten, und bieten eine offene Technologie an.
  • Die Verbreitung wird periodisch gemessen.

Ein anderes, jüngeres Beispiel ist das Geschäftsmodell der Konsignation. Statt alleine vorzupreschen, haben sich die grossen Handelsunternehmen  dazu entschieden, bei GS1 Schweiz eine Arbeitsgruppe anzuregen. Das Thema fand breiten Anklang, und innert Kürze wurden ein einheitliches Prozessmodell und entsprechende Regelungen definiert sowie die wichtigsten operationellen Fragen geklärt. Das Ergebnis ist eine Kompromisslösung, bei welcher alle Beteiligten Konzessionen eingehen mussten. Dank Akzeptanz und breiter Abstützung wurde eine für Handel und Industrie akzeptable und investitionssichere Lösung ermöglicht.

Bei Konsignation handelt es sich um ein Geschäftsmodell, welches zunehmend im klassischen Konsumgütergeschäft auf Interesse stösst. In verschiedenen Branchen, wie zum Beispiel der Automobilindustrie, der Bekleidungsoder auch in der Schmuck- und Uhrenbranche, wird Konsignation schon lange praktiziert. Es erlaubt den Marktteilnehmern einerseits, die Marktpräsenz zu erhöhen, eine permanente Versorgung sicherzustellen und ihre Sortimente in adäquatem Umfang an der Verkaufsfront zu präsentieren. Andererseits bedeutet es für die Vertriebspartner, weniger Ware am eigenen Lager zu halten und damit Lager- und Logistikkosten zu senken. Der aktuelle, gemeinsam erarbeitete Prozess ist in zwei Hauptprozesse aufgeteilt:

  • Konsignationslager-Beschickung:
    Der Lagerbestand in der Verteilzentrale des Käufers (Handel) befindet sich im Besitz des Lieferanten. Dieser wird laufend über den Warenbestand informiert, damit er zeitig den Nachschub planen kann.
  • Konsignationslager-Entnahme:
    Die Entnahme aus dem Konsignationslager erfolgt durch den Käufer auf der Basis seiner  Filialbestellungen. Aufgrund der entnommenen Ware wird der Rechnungs- und Zahlungsprozess gesteuert.

Weitere Fragen, die im Prozessmodell ebenfalls definiert werden: geeignete Sortimente, Retourenabwicklung, Verfalldaten, Rückverfolgbarkeit, Versicherungen, Schwund, Inventur, EDI-Messages, Kostenfaktoren.

Ein drittes aktuelles Beispiel ist die Belieferung mit Konsumgüter-Verkaufsdisplays auf sogenannten Dollys (¼-Roll-Paletten). Der grösste Schweizer Discounter hatte sich dazu entschieden, für Zweitplatzierungs-Displays kategorisch auf dieses System zu setzen. Die Lieferanten fragten GS1 Schweiz um Rat, woraufhin ein Round- Table-Business-Talk zu diesem Thema veranstaltet wurde. Dieses stiess bei Handel, Industrie und Logistikdienstleistern auf breite Resonanz. Daraus erwuchs eine Arbeitsgruppe, welche ein einheitliches Prozessmodell erarbeitete (Abbildung 3).

Prozessmodell für die Belieferung mit Konsumgüter-Verkaufsdisplays auf Dollys

Die Prozesse wurden ganzheitlich analysiert, vor Ort überprüft und dokumentiert. Dabei wurden sowohl die Anbieter der Dollys als auch die Supply Chain untersucht. Zusätzlich wurden Handlungsempfehlungen erarbeitet inklusive Kostenmodell, Checklisten, Tipps und Tricks für das praktische Handling. Mitglieder in der Arbeitsgruppe waren Händler, Konsumgüterhersteller, Logistikdienstleister sowie Anbieter von Mehrwegtransportverpackungen.

Das Ergebnis der Arbeitsgruppe kann sich sehen lassen. Es wurde eine gemeine Sichtweise und Sprache über die Prozesse alle Beteiligten hinweg definiert, und die Lösung verfügt über eine hohe Investitionssicherheit und somit auch über eine hohe Akzeptanz in der Umsetzung.


zurück
weiter

Vers le haut