Olten-Shanghai retourDistributionslogistik, Block 3:
Luftfracht Die Menge an Papieren, die für einen internationalen Speditionsauftrag ausgefüllt werden muss, ist gross. Es geht um Frachtbriefe, Grenzabfertigungsverfahren und Papiere für die Verzollung. Und das Ganze variiert je nach Verkehrsträger. Für das Beispiel Luftfracht erläutert Schlumpf den Fall eines Spediteurs, welcher bei einer Fluggesellschaft auf einem bestimmten Flug nach Shanghai an einem bestimmten Tag eine bestimmte Menge an Platz reserviert hat. «Consolidated Airfreight» heisst das in der Sprache der Luftfahrt, denn Englisch hat sich hier definitiv durchgesetzt. Und nun muss unterschieden werden zwischen dem Master Air Waybill, zwischen Spediteur und Airline, und House Air Waybill, zwischen Spediteur und Kunde. Strasse, Schiene, Schiff Andere Dokumente gibt es für die Schiene und Strasse. Hier hat noch die alte Sprache der Diplomatie Spuren hinterlassen. So steht die Abkürzung im CMR-Frachtbrief für «Convention relative au contrat de transport international de marchandise par route». Aber auch in der Schifffahrt sind noch alte Handelstraditionen spürbar. So ist das «Bill of Lading» ein äusserst wertvolles Dokument, denn es ist ein eigentliches Wertpapier: Wer es besitzt, ist automatisch der Besitzer der entsprechenden Ware. Das Bill of Lading bezieht sich im Unterrichtsbeispiel auf Container. Und da der Spediteur unmöglich den Inhalt aller Behälter überprüfen kann, enthalten die Dokumente die interessante Abkürzung «STC». «Said to contain» bedeutet das und bezeichnet somit einen angeblichen, nicht überprüften Inhalt. Vorsicht: Abkzg An dieser Stelle kommt Schlumpf auf die grosse Menge an Abkürzungen zu sprechen, die in diesen Themengebieten zu bewältigen sind. Es ist eine richtige Abkürzungsschlacht, mit der es die Studierenden zu tun bekommen. Die Tatsache, dass die meisten davon Kürzel für englischsprachige Ausdrücke sind, macht die Sache nicht einfacher, denn kaum einer der Absolventinnen und Absolventen verfügt über besonders gute Englischkenntnisse. Dementsprechend rät Schlumpf für die anstehenden Prüfungen, vorsichtig damit umzugehen. Man soll nur Abkürzungen verwenden, bei denen man absolut sicher ist, dass man sie versteht, und sie nach Möglichkeit sogar ganz aussprechen, rät er. Schlumpf kennt sich aus, hat er doch zu diesem Thema ein Buch publiziert, in dem mehr als 1500 Abkürzungen der Logistik erläutert werden. Abschluss in Sichtweite Natürlich sind die Abschlussprüfungen, die im März absolviert werden, ein grosses Thema. Die Stimmung sei aber gut, man fühle sich eigentlich besser als vor den Prüfungen der Basismodule, heisst es. «Damals hatten wir mehrheitlich ziemlichen Bammel », berichtet eine der Absolventinnen, «denn das war relativ allgemeiner Stoff, ziemlich theoretisch und weit weg von unserer Praxis.» Ihre Kollegin pflichtet bei: «Es war zwar schon interessant, aber eigentlich eher eine Form von Allgemeinbildung. Der Stoff jetzt, das ist viel näher an dem, was wir in unserem Alltag tun, das kennen wir, die Probleme sind vertraut.» Geschätzt wird allgemein die grosse Praxisnähe der Dozenten. Manch einer bleibe zwar etwas an seinen Folien kleben, andere dagegen hätten die Tendenz abzuschweifen und aus ihrem Erfahrungsschatz zu erzählen, und da verliere man dann bisweilen den Überblick. Aber insgesamt zeigt man sich mit den Dozenten sehr zufrieden. Das gilt auch für den Stoff. «Der Studiengang vermittelt sehr viel Background», sagt einer, «man sieht viel besser hinter die Dinge, versteht den Chef und gewisse Abläufe viel besser. Das lohnt sich ungemein!» Wo liegt Dänemark? Der Praxisbezug wird in der Folge spürbar, als die Klasse eine Übungsaufgabe zu lösen hat: Knapp fünf Tonnen Flachstahl sollen zu einem Hafen in Dänemark geschickt werden. Die Studierenden müssen einen geeigneten Transportweg vorschlagen und definieren, was der Spediteur genau braucht. Neben dem am frühen Morgen besprochenen Beförderungsvertrag selbst geht es da um Proforma-Rechnungen, Ausfuhrdokumente und Ursprungszeugnisse. Ausserdem gilt es zu klären, ob der Rechnungsempfänger mit dem Warenempfänger identisch ist, wer genau für die Transportkosten aufkommen muss und wer das Transportrisiko trägt. Bevor man sich aber an diese konkreten Fragen heran machen kann, muss zuerst einmal geklärt werden, wo Dänemark eigentlich genau liegt. Eine Online-Recherche via iPhone schafft hier rasch Klärung. Text: Jürg Freudiger |
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Der Dozent Beat Schlumpf verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in Logistik und Supply Chain Execution in verschiedenen Management-Funktionen im In- und Ausland. Als Dozent agiert er neben der GS1 auch am International Institute for the Management of Logistics in Lausanne. An der ABB Technikerschule in Baden fungiert er zudem als Studienleiter des Bildungslehrgangs «Dipl. Logistiker HF». Beat Schlumpf ist weltweit einer von wenigen Experten in der Transport- und Distributionslogistik, die aus operativer Erfahrung sämtliche Verkehrsträger und Geschwindigkeiten kennen – und dementsprechend gefragt. Mehr unter www.gsl-consulting.ch |