Abstraktes konkret vermitteln
Ein Ausbildungsmodul wie «Finanz und Rechnungswesen» scheint eine trockene Angelegenheit zu sein. Zum Glück kann sich GS1 auf fähige Dozenten verlassen. Ein Interview mit Thomas Zentsch.
 L&F: Herr Zentsch, vom Möbelschreiner zum Dozenten für «Finanz- und Rechnungswesen» ist ein recht langer Weg. Wie ist es zu dieser Karriere gekommen? Hat es Ihnen in der Möbelbranche nicht gefallen? Thomas Zentsch: Doch! Und ich war auch lange Zeit in der Branche tätig. Aber ich hatte eben schon früh auch ein Flair fürs Kaufmännische, habe die Handelsschule besucht und mich in Marketing und Verkauf weitergebildet. Ich wurde bald mal zum Verkaufsleiter, später zum kaufmännischen Leiter, dies aber immer in produzierenden Firmen. Das Technische und das Kaufmännische, Schule und Praxis, das ging bei mir immer Hand in Hand.
Wie wurden Sie zum Dozenten? Während meiner Ausbildung zum Verkaufsleiter wurde ich angefragt, ob ich nach meinem Abschluss eine Klasse übernehmen könnte. Seitdem begleitet mich diese Tätigkeit. Ich habe verschiedene Mandate, unter anderem eben für GS1.
Was beinhaltet denn ihr Modul und wie lange dauert es? Für die Logistikfachleute sind das vier Tage, in denen ich das Wichtigste aus dem Finanz- und Rechnungswesen vermittle. Also etwa, wie man eine Bilanz erstellt, ein bisschen doppelte Buchhaltung, die Betriebsabrechnung, Kalkulation, Preis- und Investitionsberechnungen, all diese Dinge. Bei den Logistikleitern und den Supply Chain Managern, die ja eine gewisse Basis schon haben, dauert das drei Tage, dafür kommen noch zwei Tage zum Thema Controlling dazu.
Jetzt ganz ketzerisch gefragt: Braucht das denn ein Logistiker? Ein Logistikfachmann braucht davon sicher zunächst nur einen kleinen Teil. Aber schon auf der Stufe eines Abteilungsleiters wird er in den meisten Fällen in die Kostenplanung involviert. Je weiter er aufsteigt, desto wichtiger wird dieser Hintergrund. Verantwortung ist meistens auch Budgetverantwortung!
Dennoch sind für viele Logistiker Zahlen weit weg… Ganz sicher, einige meiner Studenten haben mit diesem Bereich offensichtlich noch nie zu tun gehabt. Andere schon, aber es kommt ja noch dazu, dass die meisten Lehrbücher extrem abstrakt bleiben und für viele in einer Art Fremdsprache geschrieben sind. Das bedeutet für mich, dass ich meine Ausführungen konsequent mit Praxisbeispielen begleite.
Dann wird das greifbarer? Ja. Wenn wir zum Beispiel einem Lieferanten eine Anzahlung machen, dann muss man begreifen, dass der uns dieses Geld eigentlich schuldig ist, dass wir ihm einen Kredit geben. Erst wenn der Lastwagen vorfährt und die Ware in unser Lager wandert, hat er die Leistung erbracht. Jetzt verwandelt sich der Kredit in einen erfolgswirksamen Aufwand. Wenn man das verstanden hat, wird plötzlich auch klar, warum der Lieferschein in die Buchhaltung muss, dass er wichtig ist und nicht bloss ein Fetzen Papier. Da resultiert dann schon das eine oder andere Aha-Erlebnis!
Auf studentischer Seite ist man dafür sicher sehr dankbar. Haben Sie Hinweise darauf, dass Ihnen die Vermittlung gelingt? Wir hatten in der Vergangenheit immer sehr gute Ergebnisse. Im Kurs selber mache ich immer zu Beginn eine Fragerunde zum Stoff des vorangegangen Tags. Da sehe ich natürlich schon, was hängen geblieben ist. Und die, die den Stoff aufbereitet haben, stellen normalerweise auch gute Fragen.
Dann sind Sie optimistisch bezüglich Prüfungen Ihrer Schützlinge? Sie müssen durchaus hart arbeiten, um für den Abschluss des Moduls bereit zu sein. Unsere Aufgabe ist es, die Prüfungsthemen optimal abzudecken und klar zu kommunizieren, was beim Abschluss verlangt wird, worauf es ankommt. Ich habe selber genügend Prüfungen absolviert, um zu wissen, wie wichtig das ist. Dementsprechend formuliere ich zu Beginn immer auch klare Ziele. Prüfungen sind für mich der entscheidende Gradmesser; ein Schönwetterdozent bin ich nicht.
Interview: Jürg Freudiger
|