Die Drehscheibe
Schon zu Beginn seiner Karriere war Peter Hutzler vom Beschaffungsmanagement fasziniert. Die Drehscheibe zwischen internationalen Lieferanten und internen Kunden wurde zu seinem grossen Thema: als Praktiker, als Dozent und als Berater
«Das Beschaffungswesen erzeugt den grössten Kostenblock eines Industrie- oder Handelsunternehmens », erklärt der 50-jährige Bayer in entspanntem Schweizerdeutsch. «55 bis 70 Prozent der Herstellungskosten eines Produkts fallen hier an, und zwar quer durch alle Branchen.» Diese Zahl würde sich derzeit eher noch erhöhen, da der Trend zur Konzentration auf Kernkompetenzen und damit zum Outsourcing weiter anhalte. «Das ergibt ein dynamisches und sehr interessantes Spannungsfeld», erläutert Hutzler seine Faszination.
Das Modul Bei der GS1 agiert er als Dozent für das Modul Beschaffungslogistik, welches fünf Tage umfasst. Den inhaltlichen Leitfaden bildet der prüfungsrelevante Stoff, den er topdown unterrichte: «Das beginnt etwa bei der Umfeldanalyse und der Frage nach deren Bedeutung für die Beschaffung selbst. Ich stelle Analysetools vor und zeige, wie man daraus Strategien und Ansätze entwickelt.» Weiter gehe es beispielsweise um das Lieferantenmanagement, und am Schluss um Themen wie Kennzahlen und Reporting, berichtet Hutzler. Einige der behandelten Methoden und Ansätze seien typischerweise auf Industrie und Handel zugeschnitten. Teilnehmende aus dem Dienstleistungssektor hätten manchmal Mühe damit, weil bei ihnen kaum Bezug zu einer eigentlichen Warenbeschaffung vorhanden sei. «Hier ist dann der Dozent gefordert», sagt er, «aber ich kann zum Glück aus einem grossen Fundus an Erfahrung schöpfen.»
Der Fundus Peter Hutzlers Erfahrungshintergrund ist tatsächlich gross. Einerseits war er selbst jahrelang im Beschaffungsmanagement tätig, unter anderem international bei Siemens. Für dieses Unternehmen kam er auch in die Schweiz. Andererseits verfügt er aufgrund der Tätigkeit als Berater mit seiner 2002 gegründeten Firma Hutzler Logistic Consulting & Training über fundierte Kenntnisse von Firmen in den unterschiedlichsten Branchen. «Beim Analysieren von Prozessen oder bei der Aufgabe, Kostentreiber ausfindig zu machen, beim Change Management oder beim Entwickeln von Teams und Organisationen erhält man natürlich intime Einblicke in das Funktionieren eines Unternehmens », sagt er. Und schliesslich bereichert auch die Arbeit als Dozent im Austausch mit Studierenden seinen Praxishorizont.
Die Unterschiede Die Inputs der angehenden Logistikleiter findet er besonders interessant, denn diese Studierenden zeichnen sich durch hohe Abstraktionsbereitschaft aus: «Die angehenden Logistikleiter denken strategisch, sie bewegen sich gerne auf der Meta-Ebene, sind führungs- und managementorientiert und verstehen unternehmensübergreifende Zusammenhänge. Dementsprechend kann man interdisziplinäre Diskussionen führen und die Entwicklung von Strategien behandeln.» Der typische Logistikfachmann dagegen sei eher darauf orientiert, zu verstehen, was eine Strategie operativ bedeutet, wie sie umgesetzt werden muss. Noch stärker ist dieser Unterschied im Vergleich mit den Einkaufsleitern, die er für procure.ch (ex SVME) unterrichtet. Gar nicht vergleichbar schliesslich sei die Situation bei den Fachhochschülern. «Sie sind meist völlig unerfahren und kommen mehrheitlich aus der Dienstleistungsbranche. Ihre Welt ist sozusagen immateriell, sodass meine Themen anfangs für sie sehr weit weg sind.»
Die Qualität Peter Hutzler hat selbst einen Logistikleiterkurs besucht. Das war 1998. Mit dem heutigen Lehrgang sei das aber nicht zu vergleichen. «Ein grosser Unterschied zu damals ist der höhere Anspruch, den wir an die Teilnehmenden stellen, sagt er. Aber umgekehrt sei auch das Angebot sehr viel fundierter geworden: Die GS1 agiere professionell und verlange auch Professionalität. «Das permanente Qualitätsmanagement der GS1 ist wirklich vorbildlich. Die Dozenten werden regelmässig besucht, Teilnehmerfeedback wird eingeholt und ausgewertet – gegebenenfalls mit entsprechenden Konsequenzen.»
Die neuen Lehrgänge selbst sind in Hutzlers Augen eine Up-to-Date- Ausbildung und bieten einen echten Mehrwert. «Die Grundmodule liefern eine hervorragende Basis, es gibt eine echte Selektion und danach folgt eine stringente Vertiefung.» Besonders erfreulich findet er, dass die Zusammenarbeit mit anderen Verbänden Früchte getragen hat: «So ist es einem Einkaufsleiter heute möglich, nach dem Abschluss gleich eine Vertiefung als Logistikleiter zu machen. Das finde ich gut.» Ein einziges kleines Fragezeichen setze er allerdings dennoch, fügt er zum Schluss an: «Ob man am Markt den echten Unterschied zwischen Logistikleitern und Supply-Chain-Managern wirklich durchschaut und als relevant betrachtet, bezweifle ich ein bisschen. Aber wir werden sehen; ich lasse mich gern eines Besseren belehren.»
Interview: Jürg Freudiger
|