4.4 Branchenspezifische Betrachtung der Logistikkosten
Die wichtigsten Fakten im Überblick
- Der Branchencluster Chemische Industrie und Kunststoffverarbeitung weist mit 12,1 % bis 14,9 % des Gesamtumsatzes den höchsten Logistikkostenanteil auf. Dies lässt sich durch die speziellen Produkteigenschaften chemischer Erzeugnisse erklären. So handelt es sich oftmals um Gefahrengüter, die vor allem bei Transport und Lagerung eine besonders aufwendige Handhabung erfordern.
- Zwischen 5,5 % und 7,1 % des Gesamtumsatzes entfallen in der Metallindustrie auf Logistikkosten. Insgesamt ist hier die Streuung der Kosten relativ gering.
- Die Bandbreite der Kostenanteile für Logistik im Cluster Fahrzeug-, Maschinenbau-, Elektro- und Feinmechanik-Industrie beträgt 6,5 % bis 7,6 %. Über 50 % der Transportkosten in diesem Cluster fallen dabei für internationale Transporte an.
- Mit einem Kernanteil von 4,2 % bis 6,9 % und Spitzenwerten bis zu 17 % am Gesamtumsatz weisen die Logistikkosten im Papier-, Verlags- und Druckgewerbe eine sehr hohe Streuung auf. Lediglich 10,5 % dieser Kosten entfallen auf den Warenumschlag. Dies ist im Vergleich zu den anderen Clustern der mit Abstand geringste Wert.
- Im Branchencluster Textilindustrie und Lederwaren werden in der Regel zwischen 6,1 % und 8,1 % des Gesamtumsatzes für die Logistik aufgewendet. Mit 27 % der gesamten Logistikkosten ist der Anteil für die Lagerung im Clustervergleich am höchsten. Auch der Grad internationaler Transportkosten fällt aufgrund der hohen Exportorientierung dieser Industrien überproportional hoch aus.
- Der Anteil der Logistikkosten am Gesamtumsatz bewegt sich im Nahrungs- und Genussmittelmarkt im Bereich von 5,0 % bis 7,4 %. Vor allem Tiefkühl- und Frischeprodukte stellen dabei spezielle Ansprüche an den Transport, der für 58,2 % der gesamten Logistikkosten verantwortlich ist.
- Der Handel weist überraschenderweise die durchschnittlich niedrigsten Logistikkosten in Höhe von 3,2 % bis 5,7 % des Gesamtumsatzes auf, wobei einige Unternehmen Werte bis zu 15 % erreichen. Der geringe Wert resultiert dabei aus verschiedenen Gründen. So können unter anderem Bündelungseffekte über hohe Abverkaufszahlen erzielt werden. Zudem macht sich hier bemerkbar, dass keine Produktion vorhanden ist. Ferner ist die Logistik eine Kernkompetenz des Handels, die sich aufgrund des Wettbewerbsdrucks der Branche als sehr effizient erweist.
In den vergangenen Jahrzehnten ist der Kostendruck bei verladenden Industrie- und Handelsunternehmen gestiegen. Das hat zur Konsequenz, dass kontinuierlich nach neuen Möglichkeiten gesucht wird, zusätzliche Effizienzsteigerungspotenziale zu identifizieren und auszuschöpfen. Aus diesem Grund sind neben den traditionellen Bereichen wie Einkauf, Produktion und Vertrieb immer mehr die zur Abwicklung der betrieblichen Abläufe durchgeführten Logistikleistungen wie Transport, Umschlag und Lagerung in den Fokus geraten. Gerade in Zeiten zunehmender Globalisierung und damit räumlich verteilter Wertschöpfungsketten und -netzwerke sind derartige Logistikaktivitäten oftmals als erhebliche Kostentreiber anzusehen und bergen dementsprechend hohe Optimierungspotenziale. Spätestens seit den 80er-Jahren ist die Erfolgswirkung der Logistik erkannt und neue Unternehmensbereiche wie das Supply Chain Management haben sich etabliert. Damit steigt die Notwendigkeit, Logistikkosten möglichst exakt zu erfassen und zu bewerten, um Logistikprozesse nach ökonomischen Kriterien steuern zu können.384
Dieses zunehmende Effizienzstreben der Industrie- und Handelsunternehmen hat direkte Auswirkungen auf die Branche der Logistikdienstleister, da der Kostendruck an diese weitergegeben wird. Vor allem in konjunkturell schwachen Perioden, wie in den Jahren 2008 und 2009, werden die Dienstleister aufgrund der mit dem Nachfragerückgang einhergehenden Überkapazitäten vor grosse wirtschaftliche Herausforderungen gestellt.
Sowohl für Verlader als auch für Dienstleister spielt daher die exakte Messung der logistikrelevanten Kosten eine bedeutende Rolle. Nach einer objekt- und leistungsbezogenen Segmentierung des Logistikgesamtmarktes (s. Kap. 4.1 bis 4.3) erfolgt daher in diesem Kapitel eine branchenspezifische Betrachtung der Logistikkosten. Hierfür werden Unternehmen, die artverwandte Produkte herstellen oder Dienstleistungen erbringen, zu sogenannten Branchenclustern zusammengefasst, analysiert und verglichen. Zudem werden die Umsatzstrukturen von Logistikdienstleistern beleuchtet, um erweiterte Analysen und darauf basierende Interpretationen für den Logistikgesamtmarkt zu ermöglichen.
Neben den Logistikkosten wird die Wertschöpfung der jeweiligen Cluster beleuchtet, da die Anteile der verschiedenen Wirtschaftszweige an der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung Aufschluss über die Wirtschaftsstruktur der Schweiz geben.385 Diese Informationen können dann beispielsweise als Indikator für die konkrete Nachfrage nach branchentypischen Logistikleistungen herangezogen werden.
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Vgl. Weber (2002a), S. 13 f. |
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Die Wertschöpfung ist eine «Massgrösse für die Leistungskraft einer Volkswirtschaft» und setzt sich aus den in den einzelnen Wirtschaftszweigen erbrachten wirtschaftlichen Leistungen zusammen (vgl. Brockhaus (2004), S. 672 und S. 3395). |
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