Die besten Leute im Markt
Lager gehören nicht nur zu unserem Alltag, sie bilden auch einen der klassischen Aktionsbereiche der Logistik. Walter Lusti unterrichtet bei den angehenden Fachleuten das Modul Lagerlogistik. Dank der neu konzipierten Lehrgänge erhält dabei die Praxis einen noch höheren Stellenwert.

L&F: Herr Lusti, spürbarer Praxisbezug kommt bei den Studierenden immer gut an. Sie hatten während ihrer Karriere nicht nur mit den unterschiedlichsten Bereichen der Logistik zu tun, sondern betreuen auch aktuell gleich zwei Lager, richtig?
Walter Lusti: Ja, das stimmt. Bei der Rieffel AG, einem Grosshändler für Eisenwaren, Werkzeuge und Sicherheitstechnik, gibt es einerseits ein klassisches Hochregallager mit 2500 Palettenplätzen und andererseits zwei Paternoster mit mehr als einer Million Schlüsselrohlingen. Diese Umlaufregale sind über acht Meter hoch und drehen je 10 Tonnen Gewicht. Als Leiter des Bereichs Logistik + Services und Mitglied des Managements habe ich damit nicht gerade täglich zu tun, aber natürlich kenne ich unsere eigene Lagerlogistik aus dem Effeff, wie man sagt.
Wie erklären Sie einem Laien, worum es in der Lagerlogistik geht? Nun, ich weise ihn zunächst darauf hin, dass er jeden Tag verschiedenste seiner eigenen Lager beansprucht: Das Kleiderlager, das Geschirrlager, das Kaffeelager, schon in den ersten Minuten des Tages. Alle diese Lager haben einen bestimmten Ort, sie sind auf eine bestimmte Weise organisiert. Und so beginne ich auch mein Modul. Zunächst einmal geht es darum zu verstehen, was ein Lager überhaupt ist, wieso man es braucht, wo es sich befindet und wo nicht. Dann kann man einsteigen in die Organisation, Out- oder Insourcing, die Standortwahl, die Strategie drumherum, die Kosten.
Ein einleuchtender Einstieg. Wie viel Zeit nimmt das in Anspruch?
Mit allen Beispielen ist schnell mal der erste halbe Tag vorüber. Am Nachmittag stelle ich dann die unterschiedlichen Lagerarten und – techniken vor und diskutiere ihre Vor- und Nachteile.
Der zweite Tag beginnt mit Fragen rund um den internen Waren-transport, also Fördertechniken und -mittel. Am Nachmittag gehts um die Kommissionierung: wie, wieso, womit? Der klassische Rüstschein kommt dabei immer noch zu Ehren, aber auch vollautomatisierte Systeme, «Pick-by-Voice» bzw. «by-Light» und so weiter.
Wie lange dauert denn Ihr ganzes Modul?
Im neuen Konzept sind es nun vier Tage, was ich sehr begrüsse. Als ich die neuen Unterlagen erhielt, wurde mir klar, dass ich etwas weniger Stoff zu behandeln hatte und schlug daraufhin dem Leiter Bildung von GS1 vor, einen Praxistag einzubauen. Man hat mir das genehmigt und ich bin sehr zufrieden damit.
Der dritte Modultag ist folglich eine Exkursion, wir besuchen am Morgen und am Nachmittag je ein Unternehmen. Eines jeweils eher traditionell organisiert, ein anderes hochtechnologisiert. Und ich achte auch auf unterschiedliche Produktarten und Lagerdimensionen.
Sprechen die Studierenden gut darauf an?
Unbedingt, ja. Das sehe ich schon nur daran, dass sie vor Ort jeweils ziemlich intensiv Fragen stellen.
Die betreffenden Unternehmen müssen dazu ja jeweils jemanden zur Verfügung stellen. Tun sie das ohne Weiteres?
Ja, ich habe bisher nur vorbehaltloses Entgegenkommen erlebt. Die GS1 kennen halt alle, viele haben da irgendeinen Ausbildungsgang absolviert, schicken selber Leute in Kurse oder sind Prüfungsexperte. Jeder in der Branche hat irgendeinen Bezug zur GS1.
Ein Geben und Nehmen sozusagen?
Richtig. Und ich denke selbst auch so: Ich will als Logistikverantwort-licher nur die besten Leute am Markt für unseren Betrieb. Aber ich versuche umgekehrt auch, die Leute gut auszubilden. Deshalb unterrichte ich auch gerne.
Zurück zu Ihrem Modul. Der Praxistag mit den Exkursionen bewährt sich also.
Ja. Sehen Sie, Theorie und Powerpoint bleiben, was sie sind, auch wenn man viel aus der Praxis einbringt. Aber funktionierende Lager-logistik live zu erleben, das gibt regelmässig Aha-Effekte.
Meinen vierten Modultag beginne ich dann mit einem Refreshing der Erkenntnisse des Ausflugs und das ist grad nochmal eine dankbare Sache.
Was sind denn die Themen des letzten Tages?
Am Morgen geht es um die Lagerorganisation, Verwaltung, Inventar, Lagerprinzipien und -kennzahlen; und am Nachmittag ums Lagerlayout mit CAD oder mit MS-Windows-Programmen. Ich versuche zu vermitteln, dass es sich nicht erst ab einer gewissen Grösse lohnt, über das Layout nachzudenken.
Ein grosses Themenspektrum also. Nehmen die Studenten diese Menge eigentlich gut auf?
Eigentlich schon. Natürlich müssen einige erst wieder lernen zu lernen, bei vielen ist es lange her, dass sie das letze Mal eine Schulbank gedrückt haben. Wichtig ist halt auch ein abwechslungsreicher Unterricht. Ich arbeite beispielsweise auch immer wieder mit kurzen Filmen. Und übrigens auch mit mehreren Kurzpausen. Das wirkt erfrischend.
Für die Pilotklassen geht es jetzt langsam auf die Prüfungen zu. Wie beurteilen Sie die Stimmung?
Ganz aktuell weiss ich es nicht. Erfahrungsgemäss höre ich von den Studierenden einen Moment lang nichts. Wenn sie dann ihre persönliche Prüfungsvorbereitung rauffahren und sich die Fallbeispiele wieder ansehen, füllt sich langsam meine Mailbox. Das ist in den betreffenden Klassen jetzt grad noch nicht der Fall, aber wohl bald. Ich freue mich darauf sie zu unterstützen und bin sehr gespannt, wie sie dann abschneiden.
Interview: Jürg Freudiger